Im Reader 7 zeigen wir eine Werkauswahl des Pariser Künstlers Pol Taburet. In seiner Malerei spielen Geister genauso eine Rolle wie Rap-Videos der frühen 2000er. Farben zeigen sich mal laut, mal still oder gedeckt, und afrokaribische Fabulationen machen uns mit seinen neuen Figuren vertraut.
«Ich verfluche das Land in den Krieg das schwöre ich bei den Explosionen ich lasse den Himmel tausendfach zerstückelt auf euch herabfallen» – ein Auszug aus Karosh Tahas neuem Roman Gulistan
«Das bedrückende, aber auch interessante Gefühl, nie wirklich jung gewesen zu sein, dürfte der Lebenswirklichkeit vieler junger Menschen heute schicksalhaft entsprechen.» Auffallend viele Texte in unserem Reader 7 beschäftigen sich mit Ewigkeit, Tod – und dem nicht-optimierbaren Rest des Lebens.
Ewig leben im Abo-Modell: Longevity überführt rechte Verfallsangst und religiöse Endzeitsehnsucht in eine Pay-to-Pray-App für alle, die schon heute erlöst sein wollen.
Sich wahllos China-Content reinzuziehen, den man gar nicht versteht, ist das Meme dieses Internet-Jahres. Unser Autor will sein «Chinamaxxing» aber nicht als typische Anbiederung eines westlichen Intellektuellen an den kommenden Hegemon verstanden wissen. Er ist zum echten Daoisten geworden.
Im Spätkapitalismus leben immer mehr Menschen allein – und sterben allein. Max-Planck-Forschende haben untersucht, wie Gesellschaften mit dem einsamen Sterben umgehen. Während Deutschland dabei offenbar nur an Crime und Krimis denken kann, sucht man in Japan wirkliche Antworten auf die Einsamkeit.
«Wer unglücklich mit einem Staat ist, kann drei Haltungen einnehmen: einen Wechsel der Regierung fordern, einen des Regimes – oder eine Abschaffung des Staates.» Auch jüdische Kritiken an Israel folgen diesem Schema. Lassen sie sich wirklich, wie einige behaupten, in jüdischer Tradition begründen?
«Ein Vorname ist ein Talisman. Er ist die Erinnerung an den Weg, den alle anderen vor uns gegangen sind. Dass sie vor uns solches Leid ertragen haben, lindert unser eigenes. Ein Kind mit rechtem Namen ist auf ewig gerettet» – eine Erzählung zu den Bildern Rayan Yasminehs in unserem Reader 6
«Ich lächle oft. Ich biete vorsichtiges Englisch an, abgerundet und höflich. Ich sehe, wie Gesichtsausdrücke sich verändern, wenn ich sage, dass ich Palästinenserin bin. Dass ich aus Gaza komme.»
Ninguna dictadura se construyó en un solo día. Pero hay momentos de espectáculo que pueden otorgar a años de maniobras institucionales un aire de inevitabilidad. El 4 de febrero de 2024, Nayib Bukele escenificó uno de ellos desde el balcón del Palacio Nacional.
«Denn Mutterschaft verleiht einem eine gewisse Handlungsfähigkeit, als würde eine heiße Esskastanie in einem aufbrechen. Das absolut Schlimmste daran, ein kinderloses Kind zu haben, ist das Wissen, dass es sich nie eine Vorstellung davon machen wird, wie oft man in seinem Sinne handeln musste.»
Why is Gaza so significant, people keep asking. It is not only the destruction of tens of thousands of innocent lives. It is also the ideological dimension that makes Gaza stand out, much like another local war that divided societies around the globe—and set the stage for World War II.
“Smoking might be banned at book fairs, while one doesn’t expect books to be banned from book fairs. Even if a character in one of the books exhibited at a fair is smoking, this wouldn’t lead to a ban on characters smoking in books. The simple, obvious reason is: literature does not equal reality.”
George Eliots letzter Roman Daniel Deronda von 1876 war ein protozionistisches Manifest. Die zu gründende jüdische Nation erscheint als biologistisch-spiritueller Gegenentwurf zum dekadenten, «perversen» Kosmopolitismus der Europäer – und als Muster für einen ethnisch reinen Nationalstaat.
Die Zerstörung Gazas wirft Juden in eine Identitätskrise. Bücher von Peter Beinart, Michael Sfard, Göran Rosenberg und Enzo Traverso legen Rechenschaft ab – und konfrontieren den Extremismus der Netanjahu-Koalition mit einer radikalen Alternative: den Tugend- und Weisheitslehren jüdischer Tradition.
Der Triumph der evangelikalen Kirchen in Brasilien war auch ein Mediencoup. Während katholische TV-Messen wie Schlossführungen in Pantoffeln wirkten, bekam man bei den Pfingstbewegungen das Heilige Feuer in HD, uferlose Versprechen und abgefahrene Stories, «alles beruhend auf wahrer Begebenheit».
Nach Jahrhunderten der Enttäuschung, scherzte Octavio Paz im Ernst, glaube man in Mexiko nur noch an die Lotería und die Jungfrau von Guadalupe. Anstatt weiterhin Worthülsen anzubeten, sollte die Kulturwissenschaft Phänomene wie ihre Verehrung als historisch-poetische Universalien erforschen.
Wenn Kunst kollektive Schmerzpunkte der Gegenwart berührt, aber keinen Aufschrei provoziert: Eine nüchterne Eloge an Yael Bartanas zeitdiagnostisches Meisterwerk Farewell in Venedig, das nach Aussage der Künstlerin «eine Art Endlösung» zeigt, aber nicht die von den Nazis imaginierte.
Umwelt, Klima, Frieden, alles geht dahin. Viele suchen deshalb Halt in neuen esoterischen Praktiken oder alten Erlösungsreligionen. Was sollen aber all jene tun, die das zu eskapistisch finden? Einen «säkularen Glauben» entwickeln, sagt Martin Hägglund in einem großen philosophischen Entwurf.
Das Schicksal der Hamas-Geiseln spaltet Israel. Netanyahu wird gedrängt, einen Befreiungsdeal zu schließen, doch gerade religiöse Zionisten lehnten dies monatelang ab. Die rabbinische Rechtsgeschichte zeigt, wie zentral die Geiselfrage für die jüdische und demokratische Identität des Landes ist.
Uns ist sie kaum bekannt, in Mexiko eine Ikone: Als dichtende Nonne und fanatische Rationalistin sprengte Sor Juana alle Erwartungen des 17. Jahrhunderts. Eine neue Übersetzung lädt ein, die Hochbegabte bei ihrem Höhenflug zum Scheitelpunkt der Vernunft zu beobachten. Wenigstens aus «der Ferne».
Jan Assmann erforschte nicht nur Ursprungsmythen, er erzählte sie auch. Seine These vom Antisemitismus als Reaktion auf monotheistische Gewalt wurde selbst als antisemitisch kritisiert. Doch das war sie nicht, vielmehr zeigte sie das Judentum als Kern und Herausforderung der westlichen Zivilisation.